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Zwar nahmen die Protestanten Deutschlands im Jahre 1700 den gregorianischen Kalender an, führten aber die astronomische Bestimmung des Ostervollmondes ein, indem sie die Rudolfinischen von Kepler bearbeiteten Mondtafeln benutzten Infolgedessen feierten sie Ostern in den Jahren 1724 und 1744 eine Woche früher als die Katholiken. Diese Differenz verursachte in den konfessionell gemischten Gegenden sehr ärgerliche Streitigkeiten. Als eine ähnliche Verschiedenheit für die Jahre 1778 und 1798 bevorstand, da wurde auf Antrag Preussens am 13. Dezember 1775 vom "Corpus Evangelicorum" auf dem Reichstage zu Regensburg die gregorianisch - cyklische Berechnung angenommen. Um dies herbeizuführen, wies Preussen darauf hin, dass nach der astronomischen Berechnungsweise das christliche Osterfest öfters mit dem jüdischen zusammenfallen würde, z. B. auch in den Jahren 1778 und 1798, was vermieden werden solle. Falsch ist hierbei die Unterstellung, als ob im gregorianischen Stil ein derartiges Zusammentreffen nie vorkomme. Das christliche und jüdische Osterfest haben aber zuweilen dasselbe Datum, z. B. fünfmal im zwanzigsten Jahrhundert, nämlich am 12. April 1903, 1. April 1923, 17. April 1927, 18. April 1954 und 19. April 1981.

Seit dem Jahre 1775 herrscht in der ganzen Christenheit, abgesehen von Russland und den Staaten der Balkanhalbinsel (Griechenland, Bulgarien, Serbien, Rumänien, Montenegro), Einmütigkeit in der Bestimmungsweise des Osterfestes. Nach der alexandrinisoh-dionysischen Methode haben sich folgende Daten eingebürgert: Der früheste Frühlingsvollmond fällt auf den 21. März (Neumond auf den 8. März), der Vollmond vorher gehört dem Winter an. Das späteste Datum des Ostervollmondes ist der 18. April (Neumond am 5. April), der letzte Wintervollmond am 19. März. Ist im ersten Falle der 21. März ein Samstag, so wird Ostern am 22. März (frühester Ostertermin)[1] gefeiert; ist im zweiten Falle der 18. April ein Sonntag, so fällt Ostern auf den 25. April (spätester Ostertermin).[2] Demnach bewegt sich der Ostervollmond (Ostergrenze) zwischen dem 21. März und 18. April, der Ostertermin zwischen dem 22. März und 25. April; das Osterfest kann also auf 35 verschiedene Tage fallen.


1 Dieser Termin ist sehr selten, im gregorianischen Kalender in der Zeit von 1583 - 3000 9 mal: in den Jahren 1598, 1693, 1761, 1818, 2285, 2353, 2437, 2505 und 2972.
2 Auch dieser Termin ist selten, jedoch etwas häufiger wie der früheste, im gregorianischen Kalender in der Zeit von 1583 - 3000 14 mal: in den Jahren 1666, 1734, 1886, 1943, 2038, 2190 2258, 2326, 2410, 2573, 2630, 2782, 2877, 2945.