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Da hier nur das Datum des Vollmondes, nicht auch Stunde und Minute gesucht wird, so entstehen bei den Ostergrenzen Verschiedenheiten im gregorianischen Stil um 1 Tag, im julianischen sogar um mehrere Tage. Nachstehend geben wir eine vergleichende Übersicht der cyklischen und astronomischen Ostergrenzen für die Jahre 1881 bis 1907 gregorianischen Stils:[1]

Ostergrenzen der Jahre 1881-1907
Jahr
cykl.
astron.
1881
13.A.
14.A.
82
2.A.
3.A.
83
22.M.
23.M.
84
10.A.
10.A.
85
30.M.
30.M.
86
18.A.
18.A.
87
7.A.
8.A.
88
27.M.
28.M.
89
15.A.
15.A.
90
4.A.
4.A.
91
24.M.
25.M.
92
12.A.
12.A.
93
1.A.
1.A.
1849
21.M.
21.M.
Jahr
cykl.
astron.
1895
9.A.
9.A.
96
29.M.
29.M.
97
17.A.
17.A.
98
6.A.
6.A.
99
26.M.
27.M.
1900
14.A.
15.A.
01
3.A.
3.A.
02
23.M.
24.M.
03
11.A.
12.A.
04
31.M.
31.M.
05
20.M. - 19.A.
21.M. - 19.A.
06
8.A.
9.A.
1907
28.M.
29.M.

Daraus ersieht man, dass in dem genannten Zeitraum gregorianischen Stils 14 mal die cyklischen und astronomischen Daten übereinstimmen, dass dagegen die cyklischen Daten den astronomischen 13 mal um 1 Tag vorgehen. Ein derartiges Abweichen hat für das bürgerliche Leben durchaus keine Nachteile. Auch auf die Berechnung des Ostersonntags hat es meist gar keinen Einfluss; denn dieser fällt doch auf dasselbe Datum, mag der Frühlingsvollmond auf einen Sonntag, Montag, Dienstag . . .Samstag fallen. Nur dann gibt es eine Datumsverschiedenheit von einer oder mehr Wochen, wenn die astronomisch berechnete und die cyklisch berechnete Ostergrenze verschiedenen Wochen oder verschiedenen Jahreszeiten angehören.[2] In allen solchen Fällen, die sehr selten sind, hält sich die Kirche und mit ihr das bürgerliche Leben an das cyklisch festgestellte Datum der beweglichen Feste.


1 S. auch die vergleichende Gegenüberstellung für die julianischen Jahre 258 277 und 304 341 bei E. Schwartz a. a. 0. S. 17 und 13.
2 Daher sind auch die gegen die gregorianische Kalenderverbesserung erhobenen Bedenken praktisch bedeutungslos; sie beruhen vielfach auf irgend einem Vorurteile. Jedenfalls bietet dieselbe bis jetzt die beste, auch dem ungelehrten Manne leichtverständliche Schaltmethode. Das gregorianische Jahr hat eine Länge von 365,2425 Tagen und ist somit im Vergleich zu dem tropischen Jahr (im Mittel zu 365,2421996 Tagen) um 0,0003004 Tag zu lang; das macht in 400 Jahren einen Überschuss von 0,12016, in 3200 Jahren von 0,96128 Tag, in 3329 Jahren 1,0000316 Tag aus, wobei noch die oben (S. 22) erwähnte allmähliche Abnahme des Jahres zu beachten ist; sie beträgt in 3329 Jahren 17,8702 Sekunden. Das Schwanken des tropischen Jahres ist noch nicht genau genug bekannt, um schon jetzt eine Änderung der gregorianischen Schaltmethode für das bürgerliche Jahr anzuordnen. Einstweilen muss man sich mit dieser vortrefflichen Schaltregelung begnügen. Vgl. W. Förster in der Zeitschr. Der Lotse, l. Jhrgg. (1900), I. S. 752: Eine Änderung der Schaltregel "wird in aller Ruhe und mit den umfassendsten Gesichtspunkten geschehen können, sobald ... es der Wissenschaft gelungen sein wird, noch mehr Licht über einige noch unsichere Punkte der Grundlage der Kalenderrechnung zu erlangen."